Martin Kosabek und Band

Am 09. Juni 2017 haben die drei christlichen Gemeinden wieder eine ökumenische Lange Nacht der Kirchen gefeiert und dabei ihre Gemeinsamkeiten entdeckt. Die katholische Pfarrgemeinde St. Jakob, die Evangelische Pfarrgemeinde A.B. und die Freikirche Purkersdorf, veranstalten nun schon seit über 7 Jahren die Lange Nacht in Purkersdorf gemeinsam. Austragungsort war diesmal die Freikirche in der Linzer Straße 8, nachdem letztes Jahr unsere Gemeinde und im Jahr davor die katholische Pfarrgemeinde Gastgeber war. Während der ersten Jahre wanderte man im Laufe des Abends von einer Kirche zur anderen.  Nun schon im dritten Jahr konzentriert sich alles auf einen Ort, von Jahr zu Jahr im Wechselspiel zwischen den Gemeinden.

Auftakt der Langen Nacht der Kirchen mit Lieder des Gotteslobes

Martin Kosabek und seine Band machten heuer den Start in den Abend mit – wie er sie nannte – Lobpreisliedern. Schon sein Eingangsstatement war kennzeichnend für den Abend:

»Heute ist ein besonderer Abend! Wenn Menschen verschiedenster christlicher Ausrichtung zum gemeinsamen Singen und Feiern zusammen kommen, dann ist das immer ein besonderer Moment.«

Pause im Garten der Freikirche

Jeder war eingeladen dazu zu tanzen, zu meditieren, sich mit Worten oder Gesang einzubringen. Vor allem wurde reichlich mitgesungen, obwohl die Band schon alleine wirklich gut sang und spielte. Die gute Stimmung war plötzlich  da und das Publikum ging gut mit.

Was Markus Gaugusch mit Unterstützung der katholischen Gemeinde dann als Buffet hinzauberte, dürfte Maßstäbe setzen für die Lange Nacht der Kirche. Für jeden Geschmack etwas dabei und selbst guter Kaffee und Kuchen zum Abschluss war nicht vergessen worden. An diesem schönen – fast schon – Sommerabend war es wunderbar, sich im Garten der Freikirche zu stärken und miteinander zu unterhalten.

Trockene Geschichte ansprechend serviert – der überraschende Teil der Reformation

Raimund Harta beim Vortrag

Raimund Harta, seines Zeichens Theologe und Prediger in einer evangelikalen Gemeinde in Wien, leitete über in den eher kopflastigen Teil des Abends. In welcher Tradition sehen sich die Freikirchen heute in Österreich? Er referierte über die Täuferbewegung, deren theologische Ansätze zur Zeit der Reformation uns heute eher normal und ansprechend erscheinen, die aber auch teilweise (gerade aus heutiger Sicht) eigenwillig bis skurril ausfielen. Es war eine Bewegung, die sich der Obrigkeit mit Verweis auf die Bibel bewusst entzog und daher ziemlich bald auch von den evangelischen Kirchen heftigst verfolgt wurde.

Harta arbeite besonders heraus, dass vor allem beim Verständnis der Taufe, die Linie bis zu den Freikirchen von heute klar zu sehen ist: Für evangelikale Christen muss sich ein Mensch ganz bewusst für Gott entscheiden und sein Leben darauf ausrichten. Die Taufe ist dann nur ein – eher formaler – Akt der Bestätigung. Das Engagement solcher Menschen in einer Gemeinde und damit auch das Gemeindeleben ist damit anders als in den Volkskirchen. Ein Thema auf das wir an diesem Abend noch in ganz anderem Zusammenhang zurückkommen sollten.

Martin als Quizmaster für Reformationsfragen

Ganz der Geschichte der Reformation verschrieben ging es weiter mit einem Quiz zur Reformation. Martin Klonk forderte das Publikum im Stile der bekannten ORF-Millionenshow heraus, ihr Allgemeinwissen auf eine harte Probe zu stellen. Gefragt wurde nach allem, was das Leben in der Kirche reformierte. So musste man sich mit Augustinus von Hippo, mit Franz von Assisi, mit Luther, Zwingli und Calvin gut auskennen. Auch war im Vorteil, wer Raimund Harta zur Täuferbewegung aufmerksam zugehört hatte. Er selbst hielt sich vornehm zurück, musste aber zweimal als Telefonjoker zur Hilfe eilen.

Leider gab es keine Millionen zu gewinnen, sondern nur die Ehre, zwanzig durchaus knifflige Fragen zu lösen.  So manchen überraschte dabei, wie hart man in der Reformation durchaus miteinander umgegangen ist. Aber den Menschen ging es damals wirklich um etwas sehr Wesentliches. Wen es überrascht, warum (doch eher der katholischen Kirche zugeordnete) Heilige hier mit einbezogen worden sind. der möge sich die Antworten einmal ansehen. Glaube ist stets erneuert worden und so manche Idee ist älter als man glaubt.

Was wir als christliche Gemeinden von Afrika lernen können

Kaplan Michael referiert über das afrikanische Kirchenleben

Einen überraschenden Ausklang nahm der Abend mit Kaplan Michael, einem katholischen Priester, der vor sieben Jahren aus Kenia nach Wien gekommen ist. Kenia? Immerhin sind 35% der Kenianer bekennende Katholiken. Was nun Kaplan Michael zu berichten hatte, war erstaunlich! Er las uns – zumindest den Volkskirchen – geradezu die Leviten, was unsere Glaubenspraxis anbetrifft: Warum lassen wir uns nicht Zeit für die Messe bzw. den Gottesdienst? Zwischen langweilig und lang gebe es doch immerhin einen Unterschied. Wo ist bitte das breite Engagement der Gläubigen in der Gemeinschaft?

In Kenia ist es üblich, dass etwa 10 – 20 Familien eine Kleinstgemeinde nach dem Vorbild der christlichen Urgemeinde bilden, die sich wöchentlich trifft, nach einander schaut, die Messen (z. B. mit Putzen der Kirche am Samstag) vorbereitet usw. Der Kirchenchor probt mindestens zweimal die Woche! Der Gottesdienst zieht sich über mehrere Stunden. Okay – wenn man Kaplan Michael richtig versteht – feiern die dort dann eine richtige Party mit Tanz und Gesang. Das ist sicher kurzweiliger, als unsere Gottesdienste. Demütig schloss er dann doch mit der Aussage: Die christlichen Gemeinden in Afrika haben auch viele Probleme, aber das wäre dann Thema für einen eigenen Vortrag.

Es war schließlich schon spät, aber dennoch blieb ein große Runde zu Brot, Käse, Oliven und Wein im Garten gemütlich beisammen. Kolossal war, wie ein paar Menschen behände Buffet und Küche aufgeräumt haben, so dass kurz nach Mitternacht, die Säle und der Garten wieder fit für neue Veranstaltungen war.

Insgesamt in seiner Vielfältigkeit und Lebendigkeit wieder einer der besonders gelungenen Langen Nacht der Kirchen in Purkersdorf.

 


Diese schönen Fotos hat alle Johannes Katzenbeihser (Diakon der Freikirche) für uns gemacht.

2 Gedanken zu „Lange Nacht der Kirchen

  1. hallo!
    ich freue mich über einen durchwegs positiven artikel über die lndk. einzig die formulierungen zum thema lobpreis lassen eine unterschwellige kritik mitschwingen, die man ruhig auch direkt hätte ansprechen können. solch gut getarnte seitenhiebe kennt man sonst eher aus der politik.
    aber vielleicht bilde ich mir das nur ein.

  2. Hallo Martin,
    danke für Deinen Hinweis. Habe mir die Zeilen jetzt mit Abstand von ein paar Wochen noch einmal durchgelesen und Du hast Recht! Das fühlt sich nicht gut an. Als Autor möchte ich Dir versichern, dass ich da keine versteckte Kritik mitgeben wollte. Ist mit aber mit meiner journalistisch wenig geübten Hand passiert.
    Ganz ehrlich: Euer Konzert war aus meiner Sicht super und ich habe es sehr genossen. Die Einschränkung, dass das was wir an diesem Abend geboten haben nicht immer etwas für jedermanns Geschmack ist, überrascht wenig – gilt aber wenn dann für alle anderen Darbietungen genauso und ist in dieser Form absolut unnötig und massiv missverständlich.
    Ich möchte mich bei Dir für den Fehler persönlich entschuldigen und nehme die Formulierung einfach raus.
    Gruß, Martin Klonk

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